Antonia

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Zuhause ist das Gefühl der Freiheit, man selbst sein zu dürfen

Direkt an der Kreuzung vom Meiendorfer Weg, Nordlandweg und Spitzbergenweg steht ein langes, flaches Gebäude: das Tanzhaus des Meiendorfer Sportvereins. Hier treffen wir Antonia, eine Studentin aus unserer Nachbarschaft. Was sie persönlich mit Zuhause verbindet und warum wir uns hier treffen, werden wir noch erfahren.

Zuhause – Kindheitserinnerungen „Familie und ein Ort“

Nach unserem ersten Telefonat sagt Antonia, sei ihr sofort ein Bild in den Sinn gekommen, eine Kindheitserinnerung, die sie mit „Zuhause“ verbinde. Sie beschreibt, wie sie mit ihrer Familie am Esstisch sitzt, ihre Schwestern sind auch dabei. Der Garten und das Haus, in dem sie einen großen Teil ihrer Kindheit verbracht hat, kommen ihr spontan in den Sinn. Ihr Lieblingsplatz war im Kinderzimmer am Fenster, „wo man rausguckt in den Garten, die Tiere beobachtet, meine Katze, das war auf jeden Fall mein Lieblingsort“. Die Katze war lange Zeit fester Bestandteil ihres Zuhauses und Antonia freute sich nach jedem Urlaub, ihre Katze wiederzusehen. Seitdem sie nicht mehr da ist, fühlt sich das Zuhause etwas anders an, da etwas Wesentliches fehlt.

Ein Teil der Familie kam aus Süddeutschland nach Hamburg und Maultaschen gehörten zu den typischen Gerichten zuhause dazu ebenso wie wiederkehrende Festessen, wie der Braten an Weihnachten und der Osterbrunch bei den Großeltern. Im Laufe des Gesprächs kommen ihr darüber hinaus Klänge in den Sinn, die sie mit Zuhause verbindet. Wenn die Kinderzimmertür offen stand, „sodass man die Geräusche hört, was im Haus noch los ist, die Mutter, die in der Küche noch was kocht und die Schwester, die im anderen Zimmer Querflöte spielt”.

Vom Ort zum Gefühl

Die erste spontane Kindheitserinnerung an Zuhause macht nun neuen Gedanken Platz. Denn für Antonia ist der Ort im Grunde irrelevant geworden.

„Also heute würd‘ ich sagen, ist es gar nicht ortsgebunden, sondern eher auf die Menschen bezogen, mit denen man zusammen ist, aber auch bezogen auf Gefühle”.

Der Ort der Kindheit wird heute abgelöst von einem Gefühl der Freiheit, wenn sie bei Menschen weilt, die sie verstehen, wie beispielsweise ihre Schwestern aber auch gute Freunde können diese Emotionen auslösen. „Es kann fast jeder Ort auf der Welt sein, wenn die anderen Dinge gut zusammenspielen und zusammenpassen.”

Das Gefühl, man selbst sein zu können – Zuhause im Tanzen

Beim Tanzen fühlt sich Antonia zu Hause. Hier sehen wir sie im Tanzhaus des Meiendorfer Sportvereins.

Vor 20 Jahren ist Antonia hier nach Meiendorf gezogen. Seit dem 7. Lebensjahr tanzt sie im Meiendorfer Sportverein und ist inzwischen selbst Übungsleiterin für das Kindertanzen in verschiedenen Altersgruppen. Ihre Leidenschaft gilt dem Hip Hop und Jazz Modern Dance. Die Beziehung zum Tanzen hat sich entwickelt. Inzwischen ist Tanzen mehr als nur ein Hobby. Sie erklärt, dass das Zuhause-Gefühl in unterschiedlichen Momenten aufkommen kann, da gibt es eine Brücke zwischen dem Tanzen und Menschen, die sie verstehen:

„Ich muss mir keine Gedanken um irgendetwas machen. Ich kann so sein wie ich bin, ich muss mich nicht verstellen und ich kann aber auch meine Emotionen rauslassen und dann hab‘ ich festgestellt, dass ich genau die gleichen Emotionen habe, wenn ich tanze. Ich kann meine Emotionen raustanzen. Ich kann mich freitanzen.“

Sie fährt fort: „Deswegen würde ich auf jeden Fall sagen, dass, wenn ich tanze, ich auch zuhause bin und das natürlich sehr praktisch ist, weil man das überall machen kann und nicht viel braucht!”

Zuhause als Freiraum, um Neues auszuprobieren

Während der ersten Ausgangssperre hatte Antonia das Gefühl, von einem vollen, erfüllten Alltag zur Pause gezwungen worden zu sein. Das hat sie aber wieder auf Dinge gebracht, für die sie sonst keine Zeit hatte.

Während des Lockdowns hat Antonia die Zeit genutzt, um viele neue Dinge auszuprobieren, zum Beispiel das Spielen auf einer Kalimba.

„Langeweile kannte ich als Kind schon nicht und in der Coronazeit hatte ich damit auch gar kein Problem. Das kommt auch davon, dass ich mich für viele Sachen interessiere. Man kann sich hinsetzen und zeichnen, ich habe eine Kalimba gekauft, weil ich den Klang so schön finde und dachte, jetzt ist die Zeit, wo ich mir nochmal ein neues Musikinstrument beibringen kann. Es gibt Sprach-Apps. Ich habe auch zwischendurch angefangen, Dänisch zu lernen.“ Viele ihrer Freunde hätten sich allerdings schon sehr gelangweilt und sie wünscht jedem Menschen, dass er etwas findet, was ihn begeistert. Das Tanzen hat ihr auch während des Lockdowns geholfen, sich frei zu fühlen.

Interview und Fotos: Christina Fellenberg

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