Peter

Peter

Licht, Farbe, Form – Die Ästhetik des Blicks

Ein schmaler Weg schlängelt sich zwischen Hecken und naturnahen Vorgärten. Den Kirschblütenteppich hat der Nachbarsbaum hin geregnet, dessen Spur geradewegs zu Peters Haus führt. Spontan erinnern die hellen bungalowartigen Flachdach-Häuser hier an eine Urlaubssiedlung. Äußerlich unterscheiden sie sich für das ungeübte Auge kaum. Dass das ein Irrtum ist, werden wir noch erfahren.

Zuhause als privater Raum

In den 70er Jahren ist Peter mit seiner Frau von Wedel nach Meiendorf gezogen, um sich ein Eigenheim zu bauen. Dass es so „märchenhaft ruhig“ ist, hat ihm gefallen. Auch wenn der Stadtteil Peter nahesteht, „sein Kiez“ ist, wie er schmunzelnd sagt und er bewusst in Meiendorf einkauft, um die hiesigen Läden zu unterstützen, ist sein persönliches Zuhause doch letztlich der private Raum, die eigenen vier Wände, die in gewisser Weise fast heilig sind. Denn durch einen schweren Einbruch vor langer Zeit hat er erfahren, wie das Haus durch einen Eindringling von außen quasi entweiht werden kann und es eine Weile dauert, bis sich das Gefühl der Privatheit wieder einstellt.

Nach einem historischen Exkurs über die archäologischen Rentierjägerfunde im Meiendorfer Tunneltal (Stellmoor) sowie über den immer bekannter werdenden Namen „Meiendorf“ in Abgrenzung zu Rahlstedt, Berne, Oldenfelde in der öffentlichen Berichterstattung, erzählt er von den Anfängen der Wohnsiedlung. Die meisten Nachbarn sind damals als junge Familien eingezogen. Als seine Kinder klein waren, konnte man auf der Straße noch Tennis spielen, so wenig befahren war die Straße damals. Heute ist die Siedlung etwas „durchgealtert“, wie er sagt. Wenn er Kinder spielen hört, freut er sich, denn die ganze Zeit nur unter alten oder gar sehr alten Menschen zu weilen, ist doch so gar nicht seine Sache.

Elternhaus – „geborgtes Zuhause“ – erstes eigenes Zuhause

Eine erste Erinnerung an Zuhause war sein Elternhaus in Berlin. In der Nachkriegszeit musste seine Familie die Wohnung räumen. Sie zogen fortan von Ort zu Ort. Die Umzüge von Berlin, über das „geborgte Zuhause“ in der Nachkriegszeit bis hin zum Jahr in England hat er keinesfalls negativ in Erinnerung. Kinder seien glücklicherweise sehr anpassungsfähig und „wissen Sie“, sagt er nüchtern „das ist meine 22. Adresse im Leben. Da bin ich sehr flexibel.“

Ein eigenes Zuhause definiert er darüber hinaus als Zeitpunkt, wo man einen eigenen Hausstand hat und an den Wochenenden nicht mehr zu den Eltern fährt. Dabei spielt es keine Rolle, ob man als Single, Paar oder Familie lebt.

Licht, Farbe und Form – Freiheit der Gestaltung

Hell ist es hier. Der Blick hat Platz, denn viel Licht fällt in den offenen Wohnraum. Keine Heizung stört das Sichtfeld. Die Freiheit der ästhetischen Gestaltung seiner eigenen vier Wände ist ein wesentlicher Punkt. „Zuhause ist die Gesamtatmosphäre“ betont Peter. In einem lichtdurchfluteten Zuhause zu leben, ist ihm sehr wichtig. Die vollständig verglasten Schiebewände als bloße Fenster zu bezeichnen, wäre wohl eine Untertreibung. Japan kommt da in den Sinn. „Ich möchte nicht so eingekastelt sein. Ich muss auch ein bisschen gucken können. Manche machen sich ja so richtig Wände ringsum. Ist nicht mein Ding. Sonst hätten wir’s ja.” Jedes Möbelstück wurde sorgsam nach ästhetischen Gesichtspunkten ausgewählt. Die biomorphe Lampe beispielsweise schätzt Peter sehr. Ihr Schattenspiel entwickelt abends eine regelrechte Sogwirkung.

Viele Gemälde, Grafiken und Fotografien hängen an der Wand. „Ich komme sehr gut mit abstrakter Kunst zurecht. Farbe ist auch sehr wichtig für mich.“ Das abstrakte tiefblaue Gemälde ist ein Hingucker im Wohnzimmer. Gegenüber leuchtet Peters Lieblingssessel karminrot. Im beinlosen, kissenförmigen Sitzmöbel kann man sicher schön einsinken und entspannen. Dass das rote Schmuckstück im Museum of Modern Art einen Platz bekommen hat, habe er erst im Nachhinein erfahren, erwähnt Peter nicht ohne Freude in einer Randnotiz.

Die Briefwaage des Vaters

Bücher als Erinnerungsträger

Eine große Wand gibt es hier doch, die Bücher- und Schallplattenwand. Auch wenn er nicht alle Bücher noch einmal lesen würde, so sind sie lieb gewonnene Erinnerungsträger. Peter kann fast bei jedem Buch noch sagen, wo und wie er es erstanden hat. Manche Ausgaben, wie die DDR-Brecht-Ausgabe waren damals schwer zu finden und haben dadurch einen besonderen Wert.

Abends genießt Peter das Schattenspiel seiner besonderen Lampe.

Zuhause im letzten Jahr

Das letzte Jahr hat Peter das Zuhause-Bleiben als machbar empfunden. „Es gibt ja Telefon, Internet und Whatsapp, eben Realtime-Kommunikation“. Nur seine Kinder und Enkelkinder habe er etwas vermisst. „Menschen, die während der Corona-Zeit keine Kontakte hatten, hätten vermutlich auch sonst keine.“ Der trockene Humor und die Spontaneität unseres Nachbarn sind erfrischend. Das macht Laune, öfter mit seinen Nachbarn ins Gespräch zu kommen, beziehungsweise in Realtime-Kommunikation zu whatsappen.

Interview und Fotos: Christina Fellenberg

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