Janan

Janan

Zuhause im eigenen Körper

Heute treffen wir eine ganz besondere Meiendorferin. Um 11 Uhr sind wir verabredet. Von weitem sieht man sie schon. Entspannt schlendert sie über den Parkplatz auf uns zu, ohne Eile. Ihr Lächeln und ihre ruhige Stimme öffnet Herz und Ohren. Hören wir zu, was sie uns gleich erzählt.  

Die eigene Mitte

Nachdem Janan ein verziertes Holzschiffchen auf die Fensterbank gestellt hat, geht es los. Derweilen schickt das zum Leben erweckte Räucherstäbchen, das darin mitfährt, reinigende, herb-zimtige Fadenwolken in den Raum.

Als sie von unserem Projekt erfahren hatte, ist ihr augenblicklich der Satz in den Sinn gekommen:

„Wenn ich in meinem Körper zu Hause bin, bin ich überall zu Hause, da wo ich bin.”

Der zentrale Punkt ist für sie die Freiheit, die eine solche Vorstellung von Zuhause in ihrem Leben bedeutet. Auch ihr später selbst gewählter Vorname drückt das aus. In dem Moment, als sie bei sich selbst angekommen war, hat sie sich „im Inneren des Herzens” genannt.

Janan ist fest davon überzeugt, dass der Körper nicht nur unsere materielle Hülle oder die Grenze nach außen darstellt. Vielmehr beherberge er unsere Seele. Dann schmunzelt sie und sagt „Und es ist im Grunde unser Fahrzeug und wir müssen damit auf der Erde klarkommen.”

Das Reisen liebte sie schon als Jugendliche. Mit dem Interrail-Ticket fuhr sie von einem Ende Europas zum anderen, Nordafrika bereiste sie mehrfach. Eines Tages hat sie verstanden, dass es an ihrem „guten Körpergefühl“ liegt, dass sie sich auch in weit entfernten Ländern schnell nach der Ankunft wohlfühlen kann. „Ein gutes Körpergefühl heißt nicht, dass man perfekt ist und alles spürt, was im Körper los ist, aber zumindest, dass man seine eigene Mitte fühlt”, wie sie ergänzend erläutert.

Berührungspunkte nach außen

In ihrer Erlebniswelt ist das Ruhen in der eigenen Körpermitte die Grundlage dafür, um mit anderen Menschen „Begegnungen stattfinden zu lassen“. Durch die gefühlte Verbindung mit dem eigenen Herzen gelingt der Kontakt zu den Herzen der Anderen.

“Man ist in sich selbst zuhause, mit sich selbst in Kontakt und kann dadurch auch mit anderen in Kontakt treten.”

Warum ihr das Reisen so viel bedeutet, wird hier noch deutlicher: „Vor allen Dingen lernt man Menschen in anderen Kulturen kennen, aber eben auch das, was uns alle verbindet. Und ich glaube, das sind Verbindungen, die für uns als Menschheit sehr wichtig sind.” Ein Herzensanliegen Janans ist es, dass bei der Begegnung mit Menschen fremder Kulturen nicht das Trennende oder Andersartige hervorgehoben wird, sondern das Verbindende. Ein Perspektivwechsel macht es möglich. In vielen Momenten hatte sie das Gefühl „Oh Mensch, die sind eigentlich alle so wie ich. Die sprechen vielleicht eine andere Sprache, aber es gibt eine Sprache, die alle sprechen. Das ist die Herzenssprache.”

Janan

Von der Gabe zur Weitergabe

Schon als Kind sei sie sehr feinfühlig gewesen, hat zwischenmenschliche Schwingungen stark spüren und aufnehmen können. Während ihrer Ausbildung kam ihr die Erkenntnis, dass das eigene Körpergefühl und die besondere Wahrnehmung von Verbindungen und Energiefeldern ein Schatz sind.

Janan ist Heilpraktikerin und ausgebildete Shiatsu-Therapeutin und kann ihre Gabe, auf besondere Weise mit Anderen in Kontakt zu treten, in ihre tägliche Arbeit einfließen lassen. Shiatsu ist eine japanische Behandlungsmethode am bekleideten Körper, bei der entlang der Meridiane mit Hand oder Knie sanft eingewirkt wird. Janan erklärt, wie sie das versteht: „Shiatsu heißt Daumendruck. Aber es ist eher ein Anklopfen, ein Anlehnen.” Eine Wunderheilerin sei sie deswegen aber nicht, sagt sie lachend. Vielmehr könne sie durch die Behandlung bei den Menschen, die zu ihr kommen, ein vorhandenes Ungleichgewicht im Körper auflösen und deren Selbstheilungskräfte aktivieren.

Wie das mobile Zuhause gepflegt wird

Wenn der Körper das Zuhause ist, wie räumt man es auf? So lautete die nächste Frage. Dafür hat Janan gleich mehrere Strategien. Besonders ihr Glaube und die regelmäßigen Gebete geben ihr Halt. Auch Spaziergänge in der Natur tun ihrem Körper gut. Ab und zu wendet sie die Makko-Ho-Übungen aus dem Shiatsu bei sich selbst an, denn sie „sind auch ein Schlüssel, um sich immer wieder zu öffnen, dieser kosmischen universellen Energie, die um uns herum ist”. In dieser stressigen, schnelllebigen Zeit hätten viele Menschen während des Lockdowns Probleme gehabt, das Blockiert-Werden von außen zu akzeptieren. Gebete und Shiatsu-Übungen sind „die beste Medizin, die man eigentlich haben kann und die ist umsonst!”

Ankerpunkt Hamburg und der Meiendorfer Wald

Janan ist in Bremen geboren, lebt aber seit ihrem ersten Lebensjahr in Hamburg. Sie erzählt von ihrer Kindheit in der Innenstadt, wo sie nicht vor dem Haus spielen durfte. „Aber unser großer Spielplatz war Planten un Blomen. Also besser kann’s ja nicht sein. Schlittschuhlaufen und Rollschuhlaufen, das war immer ganz toll.”

Später ist sie mit ihren Eltern nach Meiendorf gezogen, wo der Wald zum Spielplatz wurde. Viele Jahre ist sie mit ihrem Körperschiff durch andere Städte gesegelt. Vor 10 Jahren ist sie nach Meiendorf zurückgekommen, eine bewusste Entscheidung, um näher bei den Eltern zu sein. „Ich bin hier aufgewachsen und das verbindet mich damit, auch wenn ich eben viel gereist bin, das ist auch wirklich ein Ankerpunkt.”

Die Gegend kennt sie wie ihre Westentasche. Das viele Grün drumherum mag sie besonders. „Wenn man rausgeht, hier ins Naturschutzgebiet, und da so durchatmet, … sowas find ich ganz wunderbar. Da bin ich auch Zuhause.” Den Duft, den der Wald nach einer Regendusche verströmt, lässt sie sich gern beim Waldbaden um die Nase wehen. Was sie sich für Meiendorf wünscht? Ein Bioladen wäre schön, ebenso wie ein überkonfessioneller Ruhe- und Gebetsraum, denn der fehlt noch, wie sie findet.

Sie ist trotz ihres mobilen Zuhauses ein bodenverhafteter Mensch, mit dem man zusammen durch den Wald stapfen und lachen kann. Wer Janan im Gespräch erlebt hat, wird sich vermutlich tiefenentspannt oder inspiriert fühlen.

Auf die letzte Frage, was denn auf keinen Fall ein Zuhause wäre, antwortete sie ohne zu zögern. “Ein Zuhause ohne Liebe wär‘ kein Zuhause.”

Interview und Fotos: Christina Fellenberg

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