Christa

Christa

Zuhause ist der Ruhepol & die Nähe zu den Vorfahren


An blühenden Mirabellenbäumen vorbei, rechts und links des Wegs ein Meer aus Lerchensporn, taubenetzt, eine lila Augenweide. Man würde sich vermutlich gar nicht wundern, wenn irgendwo eine kleine Märchengestalt auftauchen würde, so verwunschen wirkt der Garten auf den Besucher. Bis auf wenige angeregte Vogelgespräche ist es sehr ruhig hier. Der eigenwillige Pfad zeigt uns den Weg zur blauen Tür, die zum kleinen weißen Häuschen gehört, in dem Christa wohnt. Die herzförmig geschnittene Hecke heißt uns willkommen. Beim Betreten des verwinkelten Häuschens strömen sanfte Klänge entgegen. Doch dazu später mehr.   

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Der Lerchensporn-Teppich in Christas Garten.

Zuhause als Oase der Ruhe

Womit verbindet Christa Zuhause in erster Linie? „Für mich ist das hier in meinem Haus mein Zuhause, meine Oase der Kraft, der Ruhe, der Besinnlichkeit und des Auftankens” Die Chakrenmusik, die den Hintergrund klangfärbt, soll die Energiezentren des Körpers ausgleichen.

Generationenbewusstsein & Verankerung in Meiendorf

Seit 73 Jahren lebt Christa schon in Meiendorf. „Das sind so meine Wurzeln, meine Ahnen und da hängt so viel Geschichte dran.“ Ihre Großeltern sind einst aufgrund der Nahrungsmittelknappheit von Altona hierhergekommen. Viele Familien haben das damals gemacht, um sich auf dem Land selbst zu versorgen. Angepflanzt wurden vor allem Obstbäume, Kartoffeln, Erbsen und Bohnen, aber auch Tabak, wie sie lachend erzählt. Kaninchen und Hühnerställe hatten sie auch. Das Haus ist mittlerweile 100 Jahre alt. Früher war hier ein Brunnen vor dem Haus und ein Plumpsklo im Garten. An die Kanalisation wurde das Gebäude erst später angeschlossen. Sie zeigt auf den Bauplan von 1921 und man erkennt die große Ringstraße und die Linckestraße darauf noch als projektierte Straßen.

“Ich bin so dankbar, dass meine Großeltern hier dieses Haus übernommen haben, von meinen Eltern weitergeführt und hier lebe ich schon solange ich lebe.” 

Christa erinnert sich: “Im Hof standen in der Nachkriegszeit fünf Menschen mit Koffern, die hier in diesem kleinen Häuschen auch noch untergebracht werden mussten.” Ihre Oma hat später einige Zimmer vermietet. Dadurch wurde es in manchen Jahren sehr beengt. Bewusst hat Christa alles so belassen, keine Wände einreißen lassen oder anderweitig Änderungen vorgenommen, denn „jedes Zimmer hat seine Geschichte“, die erinnerungswürdig ist.

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Jedes Zimmer hat seine Geschichte.

Unser fast 100 jähriges Haus ist etwas Besonderes. Die meisten alten kleinen Häuser sind alle abgerissen worden und es sind zum Teil sehr hässliche Klötze entstanden.”

Zuhause ist Bewahren

Christa spürt eine tiefe Dankbarkeit, dass sie all die Jahre im Haus ihrer Großeltern leben durfte. Sie betont, „es ist mir auch sehr daran gelegen, es zu erhalten“. Allerlei Erinnerungsstücke beherbergt ihr kuscheliges Häuschen. Da sind viele hübsch geformte Steine, Fotos, aber auch ein Teeservice, dass ihr als Erinnerungsstück viel bedeutet. Ihr abenteuerlustiger Vater hatte es aus China verschickt, als er mit 16 die Welt bereiste. Dass das Porzellan noch heil ist, freut Christa besonders. Nie würde sie daraus trinken, da es eine wichtige Verbindung zu ihrem Vater darstellt.

Das Bewahren von Dingen, die kostbare Erinnerungen hervorrufen, ist Christa ein Herzensanliegen. Das spürt man deutlich, wenn sie davon spricht. Ihr festes Zuhause in Meiendorf bietet den Platz, der das Aufbewahren und Erinnern erst ermöglicht.

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Das Teeservice erinnert Christa an ihren Vater.

Die Verbindung zur Natur und der Lieblingsplatz

Ihr Lieblingsplatz ist der Platz in der Küche, der den Blick in den Garten freigibt. Als naturverbundener Mensch liebt Christa es, sich draußen vor dem Haus ihren Bärlauch zu pflücken, und sich ihr eigenes Pesto anzusetzen. Mit Wildkräutern kennt sie sich überhaupt sehr gut aus und gibt ihr fundiertes Wissen regelmäßig in Führungen, die das Kulturzentrum BiM organisiert, weiter. „Nee, das ist jetzt nicht mein Leben, dass ich als alte Oma auf der Couch sitze und Fernsehen gucke!“ Sie freut sich, dass sie ihr Wissen weitergeben kann und dass es auch angenommen wird.

Christa liest Baumrinden wie andere Menschen Gesichter oder ein Buch. Daraus lassen sich Wasseradern oder andere Informationen über die Natur ableiten. Auch wenn sie auf Reisen viel in der Welt herumgekommen ist, kommt beim Nachhausekommen ein „inniges Gefühl und eine Verbundenheit mit diesem Platz hier“ auf. Jedes Mal wieder neu. Denn HIER – ganz nah an den Erinnerungen an ihre Vorfahren – ist ihr Zuhause.

Interview und Fotos: Christina Fellenberg

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